Ich kenne so ein Ding ja schon. Das vergrössert meine Vorfreude auf das, was mir die nächste halbe Stunde bevorsteht, nicht unbedingt. Als ich auf dem Fragebogen ankreuzen muss, ob ich Platzangst habe, bin ich kurz unsicher. Da ich aber ohnehin nicht um die MRT-Untersuchung herum komme, mache ich mein Kreuzchen seufzend bei "Nein".
Ach, dieses Mal liege ich ja nicht so weit oben, freue ich mich noch. Doch kaum ist meine linke Schulter MRT-gerecht platziert und der dazugehörige Oberarm am Körper festgebunden, wird die Liege hochgefahren. So hoch, dass ich befürchte meine Nasenspitze würde beim Reinfahren an die Oberkante der Röhre stoßen. Tut sie aber nicht. Es fehlt jedoch nicht viel. Absolut still liegen, 25 Minuten lang, die schmerzende Schulter in einer Haltung, die sie derzeit gar nicht mag. Doch da müssen wir beide jetzt durch.
+++ Tief durchatmen, dass schaffe ich schon +++ Ist ja schließlich nicht das erste Mal +++ Und auf keinen Fall die Augen öffnen, sonst sehe ich, wie eng es hier ist +++ Durch die Kopfhörer nehme ich die ersten wummernden Geräusche des MRT wahr. Anderswo kann man über die Kopfhörer wenigstens Musik hören, hier nicht +++ 25 Minuten... wie vertreibe ich die mir bloß? +++ 2563 plus 1312 ist gleich...+++ bei dem Lärm kann doch keiner denken +++ Nun öffne ich doch die Augen. Direkt über mir die weiße Röhrendecke. So weiß, dass ich nicht sagen kann, ob es nur zwei Zentimeter Abstand sind oder zwanzig. +++ Nicht nachdenken +++ Oh Gott, was mache ich, wenn plötzlich meine Nase anfängt zu jucken? Ich darf mich ja nicht bewegen +++ Das Gerät gibt tiefe Bassschläge von sich, die in meinen Ohren fast wie Musik klingen +++ Morgen Abend gehen wir Mädels tanzen +++ Was ziehe ich an? +++ Augen öffnen und schnell wieder schließen +++ Ich liege verkrampft da, würde mich gerne bewusst entspannen, aber das wäre ja eine Bewegung +++ Nachher heisst es noch, ich habe durchs tiefe Einatmen die Aufnahmen versaut und wir müssen alles noch einmal neu machen +++ Was machen die hier eigentlich mit Leuten, die wirklich so richtig unter Klaustrophie leiden? +++ sanftes Kitzeln im Nasenbereich, nicht doch! +++ 512 mal 89 ist gleich... +++ es kitzelt immer noch +++ sind 25 Minuten nicht schon längst um +++ Halt die Klappe, Nase! +++ die Röhre bebt ein wenig +++ was, wenn gerade ein Erdbeben stattfindet, und ich merke es nicht +++ werde verschüttet ihn diesem schrecklichen Ding, dass mir in diesem Fall vermutlich das Leben retten würde +++ alle rennen draußen panisch durch die Gegend, nur ich liege ahnungslos in meinem MRT-Kokon +++ gefühlte 40 Minuten +++ wenn sich beim MRT tatsächlich innere Blutungen im Schultergelenk zeigen, geht der elende Ärztemarathon weiter +++ an meinen physiotherapiefreien Tagen zum Arzt gehen um Gerinnungsmittel gespritzt zu bekommen +++ doch lieber selbst spritzen, so wie ich es früher schon einmal konnte? +++ Nasenkribbeln hat aufgehört, hurra +++ Die MRT-Assistenten machen bestimmt immer blöde Witze, wenn ein Patient hilflos in der Röhre liegt, zählen die Löcher in den Socken und machen Fotos davon +++ Herrjeh, habe ich heute eigentlich vernünftige Socken angezogen? +++ Noch mal die Entfernung meiner Nasenspitze bis zur Decke abschätzen... 5 Millimeter... Maximum +++ Ich will hier raus +++ Die Versuchung ist groß einfach den Notrufknopf in meiner Hand zu drücken +++ Die holen mich dann sofort raus +++ Aber wäre mir damit geholfen? +++ Augen zu! Wie lange noch?
Dann ist alles überstanden. Ein Blick auf mein Handy sagt mir hinterher: es waren nur etwa 20 Minuten. Egal, wenn sich diese Minuten wie Stunden anfühlen.
Befund: keine Einblutungen ins Schultergelenk. Sehr schön
Meine Ost-West-Splitter
Vor 9 Stunden

1 Kommentare:
Hey, freut mich, dass Du es gut überstanden hast und der Befund negativ war!!! War im Januar auch beim MRT, bei mir war es aber das erste Mal, wegen Kopfschmerzen. Mein größtes Problem war die Nadel, die mir die ganze Zeit im Arm steckte - hab doch so ne Spritzenphobie. Ich wär da drin beinah durchgedreht. Aber die Geräusche haben mich irgendwie ein bissl beruhigt...
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