Freitag, August 22, 2008

Endlich eine Diagnose

Nun weiß ich es endlich:

Nach 3 1/2 Stunden Wartezimmer-Marathon in der Charité teilte mir der von der Ärztin aufgrund ihrer Unsicherheit extra herbeigeorderte Oberarzt seine Diagnose mit: Pupillotonie. Und wie es aussieht, sind beide Augen betroffen, da beide Pupillen stark verzögert reagieren. Witzig, dass die eine so groß und die andere so klein ist.

Im Grunde harmlos, aber dennoch nicht ganz ohne. Da es nicht ganz ungefährlich ist, wenn die Pupillen nicht im normalen Maße auf Lichteinstrahlung reagieren, soll ich an sonnigen Tagen möglichst eine Sonnenbrille tragen, die aufgrund des Krankheitsbildes wohl sogar auf Rezept verschrieben werden kann.
Außerdem soll ich immer eine schriftliche Information bei mir haben (aufgrund einer Blutgerinnungsstörung habe ich eh immer einen Nothilfepass dabei), in der die Pupillotonie aufgeführt ist. Sollte ich, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann einmal ohnmächtig auf der Straße zusammenbrechen, wissen die behandelnden Sanitäter und Ärzte wenigstens, dass meine unterschiedlichen Pupillen chronisch sind und nichts mit dem Zusammenbruch zu tun haben.

Meine ärztlich bescheinigte Sehfähigkeit liegt übrigens bei beruhigenden 120 % (der Test fand unmittelbar nach einem Blendtest statt; wer weiß ob ich ansonsten sogar einen noch höheren Prozentsatz erreicht hätte).

Auslöser für Pupillotonie kann es viele geben. Am wahrscheinlichsten sind Viren. Auch heute wurde mir daher wieder Blut abgenommen. Dank schlechter Venen brauchte es insgesamt fünf Versuche und drei verschiedene Schwestern, bis man mir Blut abnehmen konnte. Egal wie das Ergebnis der Laboruntersuchung ausfällt: es ist eigentlich irrelevant, denn Behandlungsmöglichkeiten gibt es nicht. Blöderweise muss ich irgendwann in nächster Zeit noch einmal in die Charité, da mir noch ein Test bevorsteht, bei dem mir wieder Pilocarpin in die Augen getropft wird (dieses Mal in beide) und dann gemessen wird, wie stark die Pupillen darauf reagieren. Eigentlich hätte man das heute machen können, aber in der Klinik war nicht ein Fläschen des Medikaments aufzutreiben. Hätte ich das vorher gewusst... auf meinem Schreibtisch zu Hause stand noch die angebrochene Flasche aus dem Klinikum in Berlin-Buch.

Ich danke allen, die mir aufgrund meiner Blogeinträge gemailt haben, für Eure Unterstützung!

Auch wenn ich von vielen gehört habe, ich solle mich nicht verrückt machen und am besten gar nicht zum Arzt gehen, bin ich doch froh, dass ich jetzt weiß, was los ist. Bei jedem Blick in den Spiegel hätte ich ansonsten doch immer ein mulmiges Gefühl gehabt. Ich gehe zwar selten zum Arzt, aber in dem Fall kann ich nur sagen: lieber ein paar Ärzte konsultieren und blöde Untersuchungen über sich ergehen lassen als sich irgendwann ärgern zu müssen, dass man die Symptome einfach ignoriert hat.

Dienstag, August 19, 2008

Norske Talenter - Madeleine Christensen

Der Name Paul Potts dürfte inzwischen so ziemlich jedem ein Begriff sein. Vor einigen Monaten habe ich durch Zufall ein Video einer norwegischen Talentshow bei youtube entdeckt mit einer jungen Dame, deren Stimme und Auftreten ich nicht weniger ergreifend finde: Madeleine Christensen, damals 14 Jahre alt.
Ungeduldige mögen bitte sich das Video bitte wenigstens von 01:00 bis 02:15 anschauen, es lohnt sich!

Montag, August 18, 2008

Platzangst?

Brav und gleichzeitig unruhig wie ich war, klemmte ich mich am Freitag gleich ans Telefon, um mir Termine beim Neurologen, zum CT und in der Augenklinik zu besorgen.
Beim CT hatte ich noch Glück und bekam einen Termin für den kommenden Dienstag, also morgen. In der Augenklinik der Charité lief ständig ein Band, das mir mitteilte, dass ich doch bitte innerhalb der Sprechzeiten, u.a. freitags zwischen 10 und 13 Uhr anrufen solle. Diese Ansage hörte ich an besagtem Freitag um 10:06 Uhr, 10:52 Uhr, 11:18 und 12:38.

Nicht wirklich erfolgreicher waren meine Versuche, in zehn verschiedenen Neurologie-Praxen der Stadt einen Termin zu bekommen. Obwohl mehrere Ärzte und auch meine Mutter, die Arzthelferin ist und der bei meinen Symptomen die Ohren klingelten, mir gesagt hatten, ich solle mich dringend kümmern, wollte man mir doch tatsächlich Termine im September, Oktober und sogar erst zum Jahresende anbieten. Es fällt schwer, nicht als hysterische Ziege dazustehen, wenn man - gelinde gesagt - ein wenig Angst hat um seine Gesundheit, um sein Leben, und dann lapidar abgespeist wird. Na was denn nun, bin ich nun ein Notfall oder nicht? Man war sich nicht so ganz einig, außer darin, dass man keinen "zeitnahen" Termin frei hätte.

Ich folgte dann dem Rat einer Sprechstundenhilfe und fuhr direkt in die Rettungsstelle des Helios-Klinikums in Berlin-Buch. Janek konnte ich zu meiner Freundin bringen, denn noch einen Tag in verschiedenen Wartezimmern wollte ich ihm nicht zumuten.
Zwei Stunden musste ich warten, bis ich in Raum 036 der Notaufnahme geschickt wurde und dort eine weitere halbe Stunde zusammen mit einer Multiple Sklerose-Patientin auf die Neurologin wartete.
Die Neurologin untersuchte mich von Kopf bis Fuß und war ein wenig ratlos. Meine linke Pupille war nicht nur auffallend größer als die andere, sondern reagierte auch nicht auf Lichtreize. Das hatte mir mein Augenarzt am Tag zuvor gar nicht gesagt.
Seltsam war laut Aussage der Ärztin, dass ich keinerlei Sehstörungen oder Blendgefühle in dem einen bzw. beiden Augen habe. Zwischendurch verschwand die Neurologin immer mal wieder um sich um andere Patienten zu kümmern und bei Kollegen Rat zu holen, was denn mit mir zu machen sei. Mir wurde Blut abgenommen, das Labor konnte aber nichts Auffälliges feststellen. Bei einer ihrer kurzen Stippvisiten in meinem Krankenzimmer (so langsam fühlte ich mich angesichts der Umgebung wirklich krank), tropfte mir die Neurologin ein Medikament namens Pilocarpin ins linke Auge. Eigentlich hätte sich daraufhin sofort die Pupille zusammenziehen müssen, was sie aber nicht tat. Die Ärztin wurde zunehmend nervöser, das konnte sie schlecht verbergen, gab sich aber grösste Mühe mir nicht allzuviel Angst einzujagen. Während sie wieder verschwand, um mich in der Radiologie zur MRT anzumelden, ging ich auf die Toilette und sah im Spiegel, dass die Pupille nun doch endlich reagiert hatte. Sie war nun winzig klein. Mein Sehvermögen auf diesem Auge war aber gleichzeitig so schlecht geworden, dass ich zum allerersten Mal in meinem Leben nachempfinden konnte wie es ist, wenn man nicht so gut sehen kann. Gottseidank wusste ich, dass das von den Tropfen kam. Aufgrund des für mich ungewohnten eingeschränkten Sehvermögens, wurde mir dann auch ein wenig schwindelig, aber es war nicht dramatisch. Ca. 15 Minuten später kam ein Zivi mit Rollstuhl ins Zimmer und sagte: "Ich soll Sie zum MRT bringen". Beim Anblick des Rollstuhls musste ich lachen und fragte: "Der ist aber nicht für mich, oder?" Doch es handelte sich nicht um einen Irrtum, und so wurde ich wie eine Schwerkranke nach oben in die Radiologie gekarrt. Also ehrlich: so ein Krankenhaus schafft es wirklich schnell, aus einem gefühlt gesunden Menschen einen gefühlt kranken zu machen.

Der Radiologe war erst einmal ein wenig sauer, weil so spät noch ein Patient gebracht wurde. Seine Assistenten hatten nämlich schon Feierabend. Nun, an mir lag es nicht. Ich war halb zwölf in der Klinik eingetroffen. Inzwischen war es kurz vor vier. Eigentlich leide ich nicht an Klaustrophobie, doch als der Radiologe mir mit malerischen Worten, bei denen unter anderem "Röhre", "eng", "laut", "zwanzig Minuten" und "still liegen" vorkamen, den Ablauf einer MRT erklärte und mich dann fragte, ob ich unter Platzangst leide (er verwendete tatsächlich das populäre, aber doch eigentlich falsche Wort), wusste ich nichts anderes als zu sagen: "Hm, bisher eigentlich nicht, aber wenn Sie es so erklären...". Er lachte und beruhigte mich. Ich musste meine Hosentaschen nach magnetischen Dingen durchsuchen, Geldstücke, Schlüssel oder was auch immer, da die MRT-Röhre ein hochmagnetisches Gerät ist. Was genau das bedeutet, merkte ich kurze Zeit später, als er mich in liegend in die Röhre schob und ich plötzlich merkte, dass mir etwas von Hüfthöhe schmerzhaft an meine rechte Achselhöhle knallte und dann an die Decke der Röhre. Ich hatte doch ein Eurostück in der Hosentasche vergessen.
Mein Blutdruck muss am Boden gewesen sein, ich zitterte - sicher auch vor Aufregung - ganz fürchterlich und musste zugedeckt werden, um bei der Untersuchung die Aufnahmen nicht zu verwackeln.
Erstaunlicherweise war alles gar nicht so schlimm. Das Gerät ist fürchterlich laut, man bekommt aber Kopfhörer auf, und ab und an ruckelt es wie eine Massageliege. Da ich nur ab der Hüfte aufwärts in der Röhre lag, war es auch nicht so unangenehm eng, wie ich befürchtet hatte. Die Zeit vergeht in so einem Ding unfühlbar. Hätte ich nicht vorher gewusst, dass es 20 Minuten dauerte, ich hätte hinterher nicht sagen können, ob ich fünf Minuten oder eine Stunde in dem Ding gelegen hatte. Nach einer Weile wurde ich fast gleichgültig, machte mir keine Gedanken um eine eventuell negative Diagnose. Fünf Minuten länger, und ich wäre vermutlich eingeschlafen.

Die Untersuchung brauchte auch keine neuen Erkenntnisse, was ich grandios fand, da somit relativ klar war, dass weder ein Gehirntumor noch ein eingeklemmter Nerv Ursache sind. Die Neurologin holte mich - ebenfalls sichtlich erleichtert - aus der Radiologie ab. Ich durfte sogar allein wieder nach unten laufen und musste nicht mehr im Rollstuhl sitzen. Ich war ja nun keine schwer kranke Patientin mehr. Aber dennoch ein medizinisches Phänomen, wie es scheint. Die Reaktionen meiner Augen widersprechen sich wohl, und es gibt immer noch keine Erklärung.

Hauptsache war: ich durfte wieder nach Hause fahren.

Inzwischen hat die Wirkung der Tropfen nachgelassen, und meine Pupille ist wieder genauso stark vergrössert wie vorher.

Also habe ich den Rat der Neurologin und meines Augenarztes in die Tat umgesetzt und mir einen Termin in der Augenklinik der Charité besorgt. Heute war doch tatsächlich jemand zu erreichen. Auch hier wäre eigentlich erst ein Termin in einigen Wochen frei gewesen, aber nun darf ich doch schon am Freitag kommen. Hundertprozentig harmlos scheint es also nach wie vor nicht zu sein, wenn man mich wegen Dringlichkeit vorzieht.

Aber ich hoffe das Beste...

Donnerstag, August 14, 2008

Wehwechen

Ist es vielleicht generell so, dass man mehr auf seinen Körper und kleinere Symptome achtet und sich Gedanken macht, sobald man den Zenit von 30 Jahren überschritten hat?

Vor nicht allzu langer Zeit gab es schon einmal etwas, was mir Sorgen bereitete. Diese haben sich aber inzwischen halbwegs zerstreut.

Nun habe ich etwas Neues. Vor gut anderthalb Wochen wurde ich gefragt, ob ich schon immer unterschiedlich große Pupillen gehabt hätte. Ich fiel aus allen Wolken, denn das war mir absolut neu. Aber in der Tat, ein Blick in den Spiegel bezeugte es: meine linke Pupille ist eindeutig größer als die rechte, und zwar so deutlich, dass man von einer normalen Abweichung nicht mehr sprechen kann. Anfangs fand ich es ja noch witzig, wenn Fragen kamen, ob ich mir irgendwelche bewusstseins- und pupillenerweiternden Mittelchen eingeworfen hätte, aber dagegen sprechen zwei Gründe: 1. ich habe mir nichts eingeworfen und 2. müssten dann ja beide Pupillen gleichmäßig erweitert sein.



Eigentlich soll man ja in Gesundheitsfragen das Internet möglichst meiden, weil es ein Sammelsurium medizinischer Halbwahrheiten und ausgegorenen Blödsinns ist.

Was tat ich also? Ich gab meine Symptome bei Google ein. Hätte ich es lieber lassen sollen? Vielleicht ja, vielleicht nein. Die möglichen Ursachen für meine unterschiedlichen Pupillen (Fachbegriff: Anisokorie) reichen von absolut harmlos bis hin zum Gehirntumor oder schweren Herzkrankheiten.
Meine Allgemeinärztin, die ich heute morgen deswegen konsultierte - es ließ mir halt einfach keine Ruhe - brachte zusätzlich noch die Frage nach eventuellen Schilddrüsenerkrankungen in der Familie ins Spiel, was ich verneinte.

Den Nachmittag verbrachte ich dann im Wartezimmer eines Augenarztes, zum ersten Mal in meinem Leben. Wenn auch mein Körper gerne hier schreit, sobald es irgendwelche blöden Krankheiten im Sonderangebot gibt - auf meine Augen und meine Sehfähigkeit konnte ich immer stolz sein. Da ich keinen Termin hatte, aber es bei diesen Symptomen wahrscheinlich an Fahrlässigkeit grenzt, wenn man mich mit einem Termin für nächste Woche wieder nach Hause schickte, dauerte es insgesamt etwa drei Stunden, bis Janek und ich die Praxis wieder verlassen konnten. Ein Hoch auf Janeks Nintendo DS, das die Wartezeit für meinen Sohn nur halb so schlimm machte.

Der Augenarzt konnte auch keine Ursache feststellen. Ich wurde diversen Test unterzogen, die ich alle nahezu fehlerlos bestanden habe. Unter anderem wurde eine Gesichtsfelduntersuchung gemacht. Da ich dabei auf jedem Auge alle 81 Lichtpunkte erkannt hatte, konnte mich der Arzt zumindest insofern beruhigen, dass er mich nicht als Notfall in eine Klinik überweisen müsse.
Stattdessen drückte er mir drei Überweisungen in die Hand: eine zur CCT, eine zum Neurologen und eine in die Augenklinik der Berliner Charité. Nun kann ich nur hoffen, dass ich überall schnellstmöglich Termine bekomme, damit ich weiß woran ich bin. Und am Ende hoffentlich erfahre, dass es nur eine harmlose Laune der Natur ist.