Mittwoch, Juni 28, 2006

Kindermund IV

Vor ein paar Wochen erzählte ich Janek, welches Sternzeichen er hat. Er fand die Sache interessant und fragte auch nach den Sternzeichen von anderen, für ihn wichtigen Personen (Mama ist Waage, Opa Schütze usw.).

Abends beim Essen strahlt er meinen Freund an:
"Stimmts, du bist ein Löwe?"
"Stimmt."
"Ja, und die Mama," fährt er stolz fort, "die ist eine Kasse".

Samstag, Juni 17, 2006

Eine lustige Seefahrt und ein Hauch von Kopenhagen

Seit Anbeginn der Menschheit hält sich hartnäckig das Gerücht, dass sich Reiseverkehrskaufleute ständig auf Reisen befinden und nur zum Wäschewaschen ab und zu in heimische Gefilde zurückkehren.

Sicher bekommt man ab und an Einladungen zu so genannten Inforeisen, wobei es inzwischen aber gang und gebe ist, dass die Reisebüroangestellten dafür auch noch Urlaub opfern und oftmals auch die Teilnehmergebühr selbst zahlen müssen. Meist dauern die Reisen - je nach Zielgebiet - nicht länger als drei bis fünf Tage inklusive An- und Abreise, und vor Ort wird man von Hotel zu Hotel gekarrt, um möglichst viele Örtlichkeiten aus eigener Erfahrung kennenzulernen. Ich will ja nicht jammern, aber von Erholung kann auf solchen Reisen selten die Rede sein.

Umso schöner, wenn man wie ich das Glück hat, an einer Reise teilnehmen zu können, die bezahlbar ist und obendrein genügend Freiraum lässt, um das "normale Touristenleben" selbst testen zu können. Ich war vom 01.-03. Juni auf einer solchen Inforeise, einer Minikreuzfahrt mit der "MSC Lirica" von Kiel nach Kopenhagen. Das Schiff war auf dieser Reise ausschließlich mit Reiseverkehrskaufleuten beladen, was für das Personal eine sichtliche Herausforderung war. Denn Expis (Insiderbezeichnung für Reiseverkehrskaufleute) sind mitunter schlimmer als normale Urlauber.
Im strömenden Regen erfolgte also für mich die Anreise per Bus ab dem Leipziger Flughafen (ich hatte meinen Sohn bei meinen Eltern in Halle geparkt), während wir bis Kiel von scheußlichstem Regenwetter begleitet wurden. In Kiel riss dann plötzlich die Wolkendecke auf, und wir konnten den Nachmittag genüsslich auf dem Sonnendeck verbringen. Ich hatte schon auf der Busfahrt irre nette Menschen (noch ne Manuela, René und Sören) kennengelernt, mit denen der Aufenthalt an Bord großen Spaß machte. Mitunter ernteten wir kopfschüttelnde Blicke ob unserer guten Laune, aber da wir immer brav zu den Infoveranstaltungen und Schulungen gingen, die während der Reise stattfanden, konnte uns auch niemand als reine FUNisten abstempeln. Und mal ehrlich: wer bei "Stars in Concert" zum Lachen, Mitgröhlen und frenetischem Applaudieren in den Keller geht, ist irgendwie auch fehl am Platze. Extra für uns hatte man nämlich Elton John, Abba, Whitney Houston und Madonna an Bord gebracht. Gut, es waren nicht ganz die Echten, aber besonders Whitney und Elton waren hervorragend. Das Erstaunlichste war das dann plötzlich doch verständnisvolle Lächeln der Leute um uns herum, als René - um die Situation zu retten - vor Sören niederkniete und "Happy Birthday" sang. Dadurch waren wir rehabilitiert und durften uns benehmen, wie wir wollten. Seltsame Welt. Der Geburtstag entwickelte sich zum Running Gag, denn eigentlich hat Sören, wenn ich mich recht erinnere, erst im November Geburtstag.

Ich hatte das Glück eine Außenkabine beziehen zu dürfen. Ich hatte vor der Reise große Angst, dass ich womöglich die meiste Zeit über der Reeling hängen würde, aber die Stabilisatoren des Schiffes waren so hervorragend, dass man meistens nicht die geringste Bewegung spüren konnte. Die Ostsee war auch sehr ruhig, dafür ein Dankeschön! Da Kiel und Kopenhagen seemeilentechnisch einen Katzensprung weit voneinander entfernt sind, drehte unser Schiff ein paar Ehrenrunden, um einen kompletten Tag auf See inklusive zwei Übernachtungen erlebbar zu machen. Am Morgen des 3. Juni fuhren wir in den Kopenhagener Hafen ein, eine dänische Möwe begrüßte mich vor meinem Kabinenfenster, und ich hegte die Hoffnung, noch ein wenig Kopenhagen erkunden zu dürfen. Leider erlaubte es der Zeitplan nicht, da uns ca. 12 Stunden Fahrt zurück nach Leipzig bevorstanden. Somit konnte ich nur aus dem Busfenster heraus folgende eindrucksvolle Bilder von Kopenhagen machen:



Was ich vorher nicht wusste: es ging noch einmal aufs Schiff. War ich dank des schönen Aufenthaltes auf der "MSC Lirica" beinahe zum Kreuzfahrtfan mutiert, belehrte mich die Fahrt mit der Fähre von Gedser nach Rostock eines Besseren. Man hatte sich anscheinend extra die Mühe gemacht, ein museumsreifes, offensichtlich vom Rost angegriffenes Exemplar von Fähre zu schicken. Ein bedrohlicher Anblick, als die "Prins Joachim" in den Hafen einfuhr und währenddessen ihr verrostetes Maul aufsperrte, von dem wir kurze Zeit später mitsamt unseres Busses verschluckt worden.
Der Seegang war bedeutend mehr zu spüren als auf dem großen Kreuzfahrtschiff und ich freute mich auf die Ablenkung durch das Essen. Ich liebe Spaghetti Bolognese, aber das, was mir an Bord für läppische 6,68 Euro verkauft wurde, war grauenvoll. Ich ließ die Hälfte stehen. Die Atmosphäre auf dem gesamten Schiff war seltsam, gruselig und erinnerte mich stark an vergangene Mitropa-Zeiten. War ich froh, als wir nach ca. 1 1/2 Stunden in Rostock den Bauch des Ungetüms wieder verlassen durften.

Fazit der Reise:
eine witzige Notfallübung, Titanicfeeling ohne Untergang, sehr liebe Leute, mehrere SMS von O2 mitten in der Nacht, die mir mitteilten, dass ich mich in einem neuen Netz befinde, ein schönes Galadinner in Abendrobe und zwei Karten für das Robbie Williams Konzert am 28. Juli in Berlin.

Manuela, René, Sören - falls ihr das hier jemals lest: Ihr seid Deutschland!

Tote Tiere

Ich habe mich ein bisschen verliebt. In ein Mammut-Baby. Dass es schon seit ca. 35000 Jahren tot ist, tut da nichts zur Sache. Dima heisst es, wurde vor einigen Jahren in Russland gefunden und hat sogar noch wuscheliges Fell an den Beinen. Neben seinem Herzen ist auch das Geschlechtsteil erhalten. Hierzu meinte die kichernde Barbara Rüschoff-Thale, Museumsleiterin in Herne:

"Den hatte ich mir viel kleiner vorgestellt. Ich bin jetzt wirklich sehr erstaunt."
Fast wäre aus Dimas Ausflug nach Deutschland nichts geworden, weil die russischen Behörden noch den Nachweis eines Tierarztes anforderten, der belegen sollte, dass das Mammut wirklich, aber auch wirklich tot ist.

Und wie es der Zufall will, bin ich heute auch gleich noch über eine ganz seltsame Homepage gestolpert, die perfekt zum Thema passt (eigentlich hatte ich bei google lediglich das Suchwort "Iris" eingegeben). Nein, die Homepage an sich ist ok, aber eine Künsterlin, die tote Tiere für ihre Werke verwendet... na, ich weiß nicht. Dann lieber einmal Dima im Herner Museum bewundern.

Freitag, Juni 09, 2006

So kann´s weitergehen

Deutschland gegen Costa Rica 4:2.

Vor uns fuhr kurz nach dem Spiel ein Moped mit zwei Fußballfans, von denen einer sein Basecap im Fahrtwind verloren hatte (mit Helm wär das nicht passiert ;-) ). Die beiden bremsten mitten auf der Straße, wendeten und fuhren entgegen der Fahrtrichtung zurück, um das Basecap zu retten. Normalerweise wäre das im strengen Deutschland einem Todesurteil gleich, doch heute ernteten die beiden nur verständnisvolles Lächeln der Autofahrer, inklusive mir. Schön irgendwie, ein wenig Laissez faire und Bella Italia in Deutschland.

Olé Olé Olé

Noch knapp zwei Stunden bis zum Anpfiff, und ich freue mich so sehr auf die WM, dass mir das sicher niemand glaubt. Die vorfreudige Stimmung, die Berlin schon seit Tagen - ach was, seit Wochen - in Bann hält, hat mich einfach mitgerissen. In Janeks Kindergarten war heute WM-Party. Gestern haben die Kinder dafür schon eine Fußballtorte á la Tim Mälzer gebacken, und heute stolzierte Janek mit wehender Deutschlandfahne in den Kindergarten ein. Das Deutschland-Logo, das er auf die rechte Wange gemalt bekam, ist leider schon verblasst. England auf der linken hingegen ist in Topform. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen.

Meine Vorfreude ist so groß, dass ich das Maulen einiger Freundinnen ("Oh nee, bloß kein Fußball. Bei mir steigt heute eine Anti-WM-Party") nicht mehr hören und schon gar nicht nachvollziehen kann. Selbst, wenn man sich nicht für Fußball interessiert: die fabelhafte Stimmung, das Sommerwetter pünktlich zum ersten Spiel - all das kann doch nur glücklich machen. Ich wünsche euch allen aufregende, friedliche und torreiche Wochen. Möge Deutschland gewinnen, denn dann hält die euphorische Stimmung noch mindestens ein paar Wochen lang an!

Und in den nächsten Tagen berichte ich dann auch, wo ich mich in der letzten Woche herumgetrieben habe.