Dienstag, Mai 30, 2006

Alles noch ganz frisch


Es war gar nicht einfach, vernünftige Fotos vom fast noch jungfräulichen Hauptbahnhof zu machen. Er ist einfach zu groß, weitläufig, hoch und bombastisch. Und dank seiner Jungfräulichkeit konnten wir sogar mit dem Auto direkt vor dem Bahnhof parken. Ein Parkhaus (es schüttete gerade wieder wie aus Kannen) suchten wir vergeblich, aber es waren auf der Fläche direkt vor dem Eingang genügend Plätze frei. Das wird in ein paar Wochen sicher anders sein, wenn die Fläche gepflastert ist und Parkuhren aufgestellt sind (würde mich wundern, wenn das nicht passiert).


Vier Ebenen sorgen für einen imposanten Ausblick, aber auch dafür, dass man schnell den Überblick verliert - wenn man ihn jemals hatte.


Nur auf wenigen Schildern steht noch der altehrwürdige Name "Lehrter Bahnhof". Ich befürchte, irgendwann verschwindet er ganz.


Montag, Mai 29, 2006

Ganz viel Bahnhof und ein defektes Thermostat

Verkehrsmittel diverser Sorten bestimmten heute meinen Tagesinhalt. Morgens Flüge für Kunden eingebucht und die letzten Vorbereitungen für eine Busbuchung erledigt.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des neuen Hauptbahnhofes von Berlin, den der Liebste, der Janek und das Ich bestaunen und fotographieren durften. Die Fotos wären auch schon längst online, hätte nicht ein weiteres Verkehrsmittel namens Auto - in diesem Fall dummerweise meins - plötzlich mit qualmendem Motorraum an einer Ampel mitten in Mitte gestanden. Da half nichts, rechts ran, Motorhaube auf, Pannenhilfe angerufen. Die Zeit bis zu deren Eintreffen vertrieben mir ein paar aufmerksame und hilfsbereite junge Halbaraber und Türken. Nett waren sie, weil sie mir den Frust von den Schultern nehmen und mir etwas zu rauchen anbieten wollten: "Kiffst du?". Hilfsbereit, weil sie mir großzügig den Weg zur Tankstelle weisen wollten, wo ich Öl für mein Auto kaufen konnte. Doch fehlendes Öl war gar nicht der Übeltäter, sondern ein fast unscheinbares kleines Ding namens Thermostat, stellte in Windeseile der in Rekordzeit am Tatort erschienene Herr vom Pannendienst fest. "Funktioniert im Prinzip wie das Ventil an einem Schnellkochtopf" erklärte er mir frauenfreundlich.

Nun kann ich nur hoffen, dass meine Werkstatt morgen einen Sondertermin für mein Auto einlegen kann. Denn ich fahre jetzt ohne Thermostat durch die Gegend. Bisher wusste ich zwar nicht, dass mein Auto so etwas hat, aber der Gedanke, dass ich nun ohne etwas durch die Gegend fahre, von dessen Existenz ich bisher keine Ahnung hatte, was aber dennoch irgendwie zu einem Auto gehört, macht mich doch ein wenig hibbelig.

Sonntag, Mai 28, 2006

Ist Berlin ein Dorf?

Irgendwie ist es ja süß. Meine Ex-Schwiegermutter hat mir gestern Abend eine besorgte Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Ob es mir gut gehe, sie hätte ja gehört, was in Berlin passiert ist und mache sich nun Sorgen um mich. Wenn ich in Delitzsch (Grüße an Mara ;-) oder meinetwegen auch in Frankfurt/Oder wohnen würde, könnte ich ja verstehen, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass ein Bewohner dieser Orte bei einem solchen großen Event (fände es in Delitzsch oder Frankfurt/Oder statt)live dabei sein möchte. Aber in Berlin passieren täglich so viele spannende Dinge, dass ich beim besten Willen niemals alles selbst miterleben könnte oder auch möchte. Zugegeben, als ich die Live-Übertragung der Eröffnungsfeier im Fernsehen sah, ärgerte ich mich schon einen Moment, dass ich nicht hingefahren bin. Und wenn ich gefahren wäre, wie wahrscheinlich wäre es gewesen, dass ausgerechnet ich mich zur exakt falschen Zeit am exakt falschen Ort aufgehalten hätte? Egal, ich war nicht da, also ist mir auch nichts passiert.

Ich möchte momentan nicht in der Haut der Opfer stecken, die zwar alle überlebt haben, sich aber nun mit einer erschütternden Nachricht auseinandersetzen müssen, die ich in jedem Film-Drehbuch als zu absurd beurteilen würde.

Und natürlich hatte auch die Bildzeitung wieder eine nette Schlagzeile zu verkünden: 16jähriger ERSTICHT 28 Menschen nach Eröffnung des neuen Bahnhofes. Man könnte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Samstag, Mai 27, 2006

Herr Stoiber fliegt vom Hauptbahnhof

Männer und Klischees

Ich hasse es, Klischees zu bedienen oder Sätze fallen zu lassen wie: "Typisch Mann!" Heute mache ich eine Ausnahme. Zwar fällt mir momentan nur einer ein, der Grund für meinen Frust gestern war, und deswegen ist es wohl auch nicht ganz fair, aber ich muss es einfach mal niederschreiben: Männer sind verantwortungslos können sich einfach nicht vorstellen, dass Frauen sich manchmal Sorgen machen. Insbesondere trifft das auf meinen Ex-Mann zu. Er ist zur Zeit mit unserem Sohn auf Reisen. Nicht weit weg, und auch sonst gibt es an und für sich keinen Grund zur Besorgnis. Aber er hat sich nicht gemeldet. Weder am Donnerstag Abend, dem Tag ihrer Abreise, noch gestern im Laufe des Tages. Ich bin bald verrückt geworden. Durch die Wohnung getigert, hier etwas aufgeräumt, dort in einer Zeitung geblättert, ein wenig gearbeitet, kurz ein Computerspiel gestartet. Doch nichts konnte mich lange ablenken oder gar beruhigen. Bei jedem meiner Anrufversuche auf dem Handy diese blöde Mailbox. Klar, ich war hysterisch, das gebe ich gerne zu. Ich kenne ihn ja noch gut genug um zu wissen, dass er halt manchmal einfach vergisst anzurufen, kein Grund zur Sorge also. Sicher war der Handyakku leer und er dachte sich nichts dabei. Kurz vor neun Uhr am Abend rief ich sogar die Eltern des Freundes an, bei dem die beiden ihre freien Tage verbringen, um dessen Telefonnummer herauszufinden. Ich wollte gerade die Nummer wählen, da klingelte das Telefon. Es war mein Sohn, der mich mit einem herzerfrischenden und fröhlichen "Hallo Mama" beruhigte. Mein Ex-Mann staunte über die Anzahl der verpassten Anrufe auf seinem Handy. Wie erwartet war er sich keiner Schuld bewusst. Und so richtig böse sein konnte ich ihm auch nicht mehr. Schließlich wusste ich nun, dass nichts passiert war, und alles andere verblasste somit zur Zweitrangigkeit und ich schämte mich fast ein wenig für meine Panik.
Ich habe in solchen Momenten wirklich ein Talent mich verrückt zu machen. Aber jede Frau, die diesen Eintrag liest, wird mich sicher verstehen können.
Um die allgemeine Männerehre wieder herzustellen, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich auch mindestens zwei Männer kenne, die sich in solchen Situationen brav melden, weil sie wissen, dass ihre Frauen zu Hause direkt neben dem Telefon sitzen und keinen Fingerschlag tun werden, bis sich ihr Mann heil von irgendwoher gemeldet hat. Mag sein, dass beide - mein Freund und mein Vater - im Laufe der Jahre einfach nur gelernt haben, dass sie sich viel Stress mit den Frauen ersparen, wenn sie sich kurz melden. Wirklich verstehen, warum man als Frau so in Panik geraten kann, können sie vermutlich nicht. Aber sie haben gelernt.

Wenn jetzt jemand gerne folgendermaßen kommentieren möchte: "Keine Nachrichten sind gute Nachrichten" - bitte lasst es! Das habe ich schon einige Male in meinem Leben gehört, aber beruhigt hat es mich nie.

Mittwoch, Mai 24, 2006

Herr Blüm korrespondiert mit der BILD

Armer Janek

Wenn es dicke kommt, dann richtig. Mein armer Sohn musste heute morgen auch zum Zahnarzt. Gestern Abend war mir aufgefallen, dass an einem seiner Backenzähne eine Ecke abgebrochen war. Janek, der schon (positive) Erfahrungen mit dem Zahnarzt gesammelt hatte, freute sich fast auf den anstehenden Besuch und die Aussicht, dass er vielleicht wieder eine bunte Füllung bekäme.

Inzwischen sieht er die Sache ein wenig anders, denke ich. Der nette junge Zahnarzt vom letzten Mal arbeitet leider nicht mehr in dieser Praxis, und somit musste er mit "meinem" Zahnarzt vorlieb nehmen. Der ist zwar auch nett, aber beknuddelt Kinder nicht ganz so wie der andere. Heute war das Bohren auch schmerzhaft, denn auch der Nachbarzahn war schon angegriffen, und da war eine intensivere Behandlung notwendig. Ich hatte Janek auf dem Schoß, was ihn sichtlich beruhigte, aber ein wenig wimmerte er schon und ein dickes Tränchen kullerte ihm während der Behandlung die Wange hinunter. Eine fürchterliche Situation für mich, obwohl er wirklich sehr sehr tapfer war und brav stillhielt. Kann man von einem Vierjährigen ja auch nicht unbedingt erwarten.

Zur Belohnung für sein heldenhaftes Auftreten holte ich ihn als Mittagskind aus dem Kindergarten ab. Er freute sich zunächst riesig, doch dann fiel ihm ein, dass im Kindergarten heute alle Kinder wach bleiben dürfen, wie das bei schönem Wetter und/oder vor freien Tagen manchmal gehandhabt wird. Blöderweise war er aber sichtlich müde und hier zu Hause muss er jetzt Mittagsschlaf machen. Dumm gelaufen...

Der einzige Lichtblick für ihn: Diese entzückende Pinguin-Postkarte, die er heute über Postcrossing aus den Niederlanden bekommen hat.

Montag, Mai 22, 2006

Wie in alten Zeiten

Dieses Schild habe ich heute vor einem Heimwerkerladen entdeckt.



Ich war gerade auf dem Rückweg vom Zahnarzt, dem ich noch eine Packung Antibiotika abgeschwatzt habe. Mein vor einem halben Jahr wurzelbehandelter Zahn meldet sich wieder, und ich will alles versuchen um einer - wohl doch nicht zu vermeidenden- Operation zu entgehen. Dank Laserbehandlung und Antibiotika hatte ich im letzten halben Jahr Ruhe. Letzte Woche dachte ich glücklich darüber nach, dass sich wohl doch noch einmal alles zum Guten gewendet hatte. Hätte ich wohl nicht tun sollen.

Wenigstens habe ich einen wirklich verständnisvollen Zahnarzt, der meine Abneigung gegen eine solche OP verstehen kann und nicht einfach sagt: "Schluss jetzt, der muss endlich operiert werden".

Jetzt haben wir den Salat

Es ist nichts Neues, dass der Grand Prix, oder wie er ja inzwischen heisst: Eurovision Song Contest, gruselige Auftritte vorzuweisen hatte, aber die waren dann meist eher musikalischer denn optischer Natur.

Ja, es ist schön für die Finnen, dass sie endlich nach vierzig Jahren auch mal den begehrten Preis nach Hause schleppen dürfen, aber das hätte auch noch Zeit gehabt bis zum nächsten Jahr.

Der Samstag-Abend verlief wie fast jeder meiner Grand Prix-Abende der letzten Jahre:

Ich habe mein Boykott-Vorhaben vom letzten Jahr ad acta gelegt, weil ich große Hoffnung in den deutschen Beitrag setze und darauf baue, dass Europa seinen Musikgeschmack endlich mal auf eine annehmbare Schiene gesetzt hat. Also weder Schlager noch Lordi. Meine Prognose für Texas Lightning lautet: Platz 10-15, obwohl ich insgeheim hoffe, dass auch die anderen Länder diese überaus sympatischen Musiker und die wunderbare Sängerin Jane zu schätzen wissen und Deutschland endlich mal wieder ganz vorn mitmischt.


Das Grundprinzip lautet auch in diesem Jahr wieder: "The same procedure as every year" - oberknappe Röckchen oder Höschen bei den Sängerinnen, ein paar auf Ballet getrimmte Hupfdohlen, die sich unpassend in klassischem Tanz zu moderner Musik bewegen, ein paar schiefe bis sehr schiefe Gesangseinlagen (besonders hervorzuheben: Las Ketchup, ui waren die schlecht).

Ich bin froh, dass Janek schon im Bett ist, als Lordi aus Finnland ihren Auftritt haben.
Der Song "Hard Rock Hallelujah" ist ok - Mainstream-Hardrock - und erinnert in gewissen Passagen mehr als auffallend an Alice Coopers "Poison".
Finnen sind mir generell aufgrund ihrer putzigen Sprache sympatisch, man kann im Prinzip sagen, dass ich dieses Völkchen regelrecht liebe. Daher gönne ich Lordi anfangs auch die euphorische Punktevergabe. Dass die gewinnen, und das sogar haushoch, hat ja niemand ahnen können.

Die Punktevergabe für die Deutschen ist - wie leider befürchtet- mager: 36 Punkte, 15. Platz. Wenigstens habe ich mit meiner Prognose Recht behalten, aber das tröstet mich nicht wirklich. Vielleicht wäre es in der Tat für den Grand Prix-Erfolg nützlich, Deutschland wieder zu teilen, am besten alle Bundesländer in autonome Staaten umzuwandeln, und dann wäre es doch gelacht, wenn es nicht aus mindestens 15 "Staaten" heisst: Germany douze points.

Wie gesagt, der Abend verlief im Prinzip wie jeder Grand Prix Abend: ich regte mich auf über die Sex-Schiene, die da so offensiv gefahren wurde und den musikalischen Gedanken in den Hintergrund verschob, regte mich auf über die Vetternwirtschaft, durch die sich insbesondere die osteuropäischen Länder Punkte in die Schuhe schoben, regte mich auf über die Wir-sind-alle-Freunde-und-gemeinsam-schaffen-wir-es-Songs, die jedes Jahr aufs Neue präsentiert werden. Zugegeben, Finnland fiel diesem Jahr in keines der genannten Kriterien, und somit müsste ich mich ja eigentlich freuen, weil endlich mal "was Anderes" gewonnen hat.

Aber (erfrischend) anders waren auch Texas Lightning, und somit plane ich jetzt bereits wieder meinen Boykott fürs nächste Jahr.

Ein Gutes hatte die Angelegenheit dann aber doch: mir fiel die Band aus Lettland wieder ein, die mich beim Grand Prix im Jahr 2000 so begeisterte und deren Lied ich mir schon seit Ewigkeiten herunterladen wollte. Musste mir heute den Namen der Band mühsam ergoogeln, aber ich bin fündig geworden und habe mir sofort ein ganzes Album von "Brainstorm" bei Ebay gekauft.
Der Grand Prix Song von damals heisst "My Star". Dieses Album steht jetzt auch auf meiner Wunschliste ganz oben, kostet aber bei Amazon & Co. noch richtig gut Geld, und somit hoffe ich auf erneutes Ebay-Glück.

Freitag, Mai 19, 2006

Und der einzige Mann, von dem ich mir GERNE...

... Fußballregeln erklären lasse, hat jetzt endlich auch einen eigenen Blog.

Ich habe jetzt auch ein...

Gästebuch

Heffalump

Aus dem Kinderzimmer ertönen seit Tagen immer wieder die gleichen Trompetenlaute. Janek hört "Heffalump".

Ich bekomme immer nur kleine Bröckchen des Hörspiels mit, wovon mir dieses hier ganz besonders gut gefällt:
"Mein Name ist Heffalump Trompeter Brombeer Heffrich Trampler Trompeter Heffalump der Vierte".
"Wie kannst du dir das merken?"
"Kann ich ja nicht, deswegen nennen mich alle Lumpi."

Donnerstag, Mai 18, 2006

Abseitsregeln für Mädchen

Wohl auch der grösste Fußballhasser wird zugeben müssen: Dieser Sport hat Deutschland derzeit absolut im Griff. Ich selbst muss mir zwar nicht jedes Bundesliga-Spiel im Fernsehen anschauen und alle Tabellenstände auswendig kennen, aber ich agiere selbst gerne als Trainer in "Fußballmanager 3", und zu den mitunter recht amüsanten Spielen des VfB Einheit zu Pankow gehe ich doch sehr gerne. Anfangs eher als Begleitung meines Liebsten, inzwischen auch aus ehrlichem Interesse und einer gewissen Art von Lokalpatriotismus in meinem Wahlheimatkiez Pankow. Wenn über Lautsprecher vor gerade mal 34 Zuschauern dem 12. Stellvertreter des Vereinsvorsitzenden zum 73 1/2. Geburtstag gratuliert wird, kann mir schon das Herz übergehen. Da spielt es auch keine Rolle, dass ich bis heute nicht alle Regeln kapiert habe.

Es fasziniert mich immer wieder, dass Männer, die ja als nichtmultitaskingfähig gelten, als Zuschauer bei einem Livespiel (oder auch im TV) plötzlich Dinge sehen, die sich am linken Spielfeldrand ereignet haben, während die Blicke eigentlich zum rechten Tor gingen. Da wird dann mitunter geschimpft - je nach Lust und Laune auf den Schiri, einen Spieler der gegnerischen Mannschaft oder auch auf den Konkurrenztrainer. Da kochen die Emotionen hoch, es ist so spannend. Ich selbst neige normalerweise dazu (früher war das aber noch viel schlimmer), mich schnell über etwas aufzuregen. Beim Fußball ist das anders. Ich habe in emotionaler Hinsicht wohl den meisten Abstand zum Spielgeschehen und genieße es, die Reaktionen der männlichen Zuschauer zu beobachten. Es ist rührend. Ab und zu werfe ich frauentypische Fragen in Richtung meines Freundes, der mir diese dann mit Engelsgeduld beantwortet. Die meisten Männer würden mich bestimmt lieber zu Hause lassen. Weil es für sie ein Ding der Unmöglichkeit ist, mit einer Frau zu einem Fußballspiel zu gehen.

Es wird wohl noch Jahre dauern - wenn es überhaupt jemals passiert - bis ich wirklich verinnerlicht habe, wann ein Foul ein Foul oder eine Schwalbe eine Schwalbe ist, wann es einen Freistoß gibt, wann einen Elfmeter, wann einen Einwurf. Wenn ich so meinen eigenen Worten hinterherlese, scheint es mir gerade wieder so, als hätte ich Null Ahnung von Fußball. Stimmt vermutlich auch, und streng genommen ist mir egal, was passives Abseits ist. Aber ich mag Fußball trotzdem, zumindest live, und ich werde mir mit Sicherheit auch während der WM einige Spiele im TV nicht entgehen lassen.

Eine theoretisch frauenfreundliche Erklärung des Phänomens Fußball und seiner Regeln gibt es hier. Das Problem ist nur, dass ich auch nicht unbedingt shoppinggeil bin, also weder das Fußball- noch das H&M-Abseits verstehe. Lustig ist es trotzdem. Beides. Irgendwie.

Mittwoch, Mai 17, 2006

Und dann war da noch...

String-Emil

Echt trashig

Mein Liebster hat mich vor vielen Monaten auf eine Seite aufmerksam gemacht, deren Existenz ich inzwischen schon wieder vergessen hatte. Komisch eigentlich, denn diese Internet-Trash-Link-Sammlung hat mir schon einige herrliche Stunden im Internet beschert. Hier werden so richtig grottenschlechte, sinnlose, (unfreiwillig) komische Homepage-Links - meist privater Natur - gesammelt.

Hätte ich sonst jemals die Homepage von Matthias gefunden, der auf seiner äusserst umfangreichen Seite unter anderem Fotos aus der Zeit seiner (Achtung O-Ton) "Adoleszenz" veröffentlicht hat und in seiner PKW-Ausstattungsliste unter anderem das ach so wichtige "Fensterglaskondenswasserentfernungstuch" aufführt?

Oder fast noch besser: eine der Gewinnerseiten des "Ultimate Trash Site Awards" im Jahr 2005. Susi und Achim aus Salzgitter versuchen hier darzustellen, was sie eigentlich so treiben arbeiten. Meine Vermutungen schwanken zwischen Tierpensionsinhabern, Taxiunternehmern und Bordellbetreibern.

Freitag, Mai 12, 2006

Kindermund III

Janek soll seine Straßenschuhe vor der Tür ausziehen, weil sich bestimmt wieder viel Sand daran angesammelt hat. Doch er belehrt mich eines Besseren: "Nein, Mama, ich habe den Sand schon im Kindergarten ausgefüllt."

Mittwoch, Mai 10, 2006

Berlin, ick liebe dir

Als ich noch in Halle wohnte, tat ich manchmal so, als sei ich fremd in der Stadt und fragte Passanten nach dem Weg, obwohl ich mich in der Region auskannte wie in meiner Westentasche. Nie passierte es, dass mir jemand die gewünschte Auskunft nicht geben konnte, denn es waren (zufälligerweise?) immer Hallenser, die ich ansprach. Ich hoffte immer auf einen Menschen, der mir sagen würde: "Tut mir Leid, ich bin auch nicht von hier." Doch das passierte nie.

In Berlin ist alles anders. Ich bin gestern mit meiner Digitalkamera durch die Stadt gezogen und habe nach jedem Foto den Apparat gleich wieder in die Tasche gesteckt, damit mich niemand als Tourist ansieht. Wie bescheuert ist das denn? Ja, so bin ich halt. Ich liebe diese Stadt so sehr und bin so stolz, dass ich hier vor über zwei Jahren mein neues Zuhause gefunden habe, dass ich es am liebsten jedem erzählen würde. Kaum etwas macht mich glücklicher als Touristen, die mich in Berlin nach dem Weg fragen, weil sie mich für eine Einheimische halten. Bin ich ja jetzt auch, irgendwie.

Ich spazierte dann also gestern vom Alex (wo gerade intensiv gebaut und gebaggert wird) zum Fernsehturm, hinüber zum Palast der Republik (wo gerade intensiv gebaut und gebaggert wird), übers Unigelände (wo nur "gebaggert" wird), Unter den Linden (wo gerade intensiv gebaut und gebaggert wird) bis knapp vors Brandenburger Tor (in dessen Nähe gerade intensiv gebaut und gebaggert wird).
Egal, in welche Richtung man sich dreht, wenn man in Mitte ist, überall sind Kräne im Bild. Gebaut wird in Berlin immer, aber so kurz vor der WM wird noch einmal einen Zacken zugelegt.

Der Alexanderplatz ist kaum wiederzuerkennen. Die futuristische Blechverkleidung Made in GDR am Kaufhof ist gänzlich einer Betonfassade gewichen, die mich doch stark an deutschen Größenwahn aus der Zeit der 1930er Jahre erinnert. Wenn man die vorherigen Ausmaße des Kaufhauses kennt, hat man das Gefühl, dass es bedrohlich gewachsen ist. Ich mag mich täuschen, aber das Gebäude ist ein gutes Stück größer geworden und nimmt einen nicht geringen Anteil des Alexanderplatzes weg. Vom Platz selbst ist eigentlich nichts mehr zu sehen. Fußgänger bewegen sich derzeit nur an Bauzäunen entlang, der ganze Boden ist aufgerissen und soll neu gepflastert werden. Unter der Weltzeituhr - früher Treffpunkt der (Ost)Berliner und Touristen gleichermaßen - haben es sich Punks mit ihren Hunden bequem gemacht. Die Touristen sind sichtlich verunsichert und halten Abstand.

Der Fernsehturm sieht zur Zeit aus wie ein Fußball für Homosexuelle. Es gab und gibt viele Kritiker dieses WM-Projektes, aber ich finde den Anblick gar nicht mal so übel. Wir haben nun einmal die Fußball-WM in Deutschland, und da gehören solche netten Gimmicks einfach dazu. In ein paar Wochen ist ja alles wieder wie früher. (?). Im Radio wurde heute Morgen gesagt, dass 50 Prozent der Berliner jetzt schon von der WM genervt sind. Daran sind aber wohl hauptsächlich die Werbekampagnen zahlreicher Unternehmen schuld, die meinen, dass jedes Produkt jetzt unbedingt in irgendeine Beziehung mit Fußball gebracht werden muss, um den Verkauf anzukurbeln, und seien die Parallelen auch noch so abwegig. Ich für meinen Teil bin fürchterlich gespannt auf das, was da auf Berlin zukommt.
"Die Schwalben", wurde ich plötzlich von einer alten Frau angesprochen, die umlagert von diversen Taschen und Beuteln (wohl ihre gesamten Habseligkeiten) auf einer kleinen Mauer neben dem Fernsehturm saß und mich beim Fotografieren beobachtete. Ich war irritiert, wusste nicht was sie meinte. "Haben Sie den Turm schon mit den Schwalben fotografiert? Das ist ein wunderschöner Anblick". Ich sah mich um, keine Schwalbe war weit und breit zu sehen. Ich versprach, darauf zu achten und ging lächelnd weiter.

Eigentliches Ziel meines gestrigen Stadtbummels war der Palast der Republik. Besser gesagt das Skelett desselben. Anfang der Woche fuhren wir mit dem Auto daran vorbei, und ich war von dem gruseligen Anblick, der sich dort bot fast schockiert und beschloss, die Abrissarbeiten mit der Kamera festzuhalten. Ich hatte vor Monaten dort schon Bilder gemacht, aber jetzt sind fast alle Fenster raus und vor dem Palast türmen sich bereits große Asbest-Schuttberge, während auf der Rückseite der Müll an einem extra eingerichteten Schiffsanleger übers Wasser wohin auch immer gebracht wird. Ich stand eine Zeitlang fassungslos am Bauzaun und wusste nicht, ob ich mich auf die Zukunft dieses Standortes freuen oder den alten Zeiten hinterher trauern sollte. Verschiedene Institutionen nutzen den Trubel um den Palast in eigener Sache. Hier wird eine Bühne für Veranstaltung aufgebaut, dort hat die Zentrale für gesundheitliche Aufklärung ihren LKW postiert und klärt auf, worüber auch immer. Natürlich fehlt auch eine Eisbude direkt vor dem Bauzaun nicht.


Weiter ging's, weg von den Touristenmassen, eine Seitenstraße entlang. Mein Weg führte mich in eine Kirche. Eine katholische Kirche. Ich ignorierte (unabsichtlich) die Hinweisschilder "Gottesdienst, keine Besichtigung" und betrat das Gotteshaus. Ich setzte mich schnell hin und hoffte, dass mich niemand hinauswarf. Ich war so ziemlich die Einzige, die beim Betreten der Kirche nicht ihre Finger ins Weihwasser getaucht und sich bekreuzigt hatte. Ich kam mir ein wenig vor wie eine Ausgestoßene, genoß dieses Gefühl aber auch irgendwie. Die Architektur ist einzigartig. Die Kirche ist vollkommen rund und in der Mitte geht es eine Etage nach unten, wo der eigentliche Gottesdienst an diesem Abend abgehalten wurde. Wie eine Kirche in der Kirche. Fantastisch! Ich Atheistin blieb im oberen Bereich, wollte nicht stören und hatte Angst irgendeinen Fehler zu machen. Aber niemand beachtete mich, alle waren ins Gebet versunken, als ich - so leise es irgend ging - die Kirche wieder verließ. Vermutlich macht man das auch nicht, so mitten im Gottesdienst wieder gehen, aber auf mich wartete noch ein geschäftlicher Termin am Abend und außerdem war das Wetter immer noch so traumhaft schön, dass ich einfach wieder an die frische Luft musste.

Am Bebelplatz wurde mir wieder einmal bewusst, wie wenig ich bisher von Berlin gesehen habe. Die Fassade der Humboldt-Universität bietet einen fantastischen Anblick, der mir bisher total entgangen war. In der Mitte des Platzes ist - zum Gedenken an die Bücherverbrennung - ein Glasfenster in den Boden eingelassen. Unten kann man einen weißen Raum mit leeren Bücherregalen als Mahnmal sehen. Ich hatte Mühe, einen Blick hinunter werfen zu können, weil sich dort eine Touristengruppe versammelt hatte, deren Reiseleiterin lapidar auf Englisch erklärte: "They burned the books they didn´t like."

Meine müden Füße - ich habe die absolut falschen Schuhe an - sehnten sich schon wieder nach einer Pause. Und da entdeckte ich eine kleine Oase direkt Unter den Linden. Der Innenhof der Staatsbibliothek begeisterte mich sofort. Klein, die Fassaden über und über mit Efeu bewachsen, ein Brunnen in der Mitte und ein paar Bänke. Hier könnte man einen "Dornröschen"-Film drehen, ohne viel verändern zu müssen. Vor dem gusseisernen Tor tobt der Großstadtverkehr, aber der Brunnen plätschert so laut, dass man - mit ein wenig gutem Willen - nichts davon mitbekommt.

Weiter Richtung Friedrichstraße, denn so langsam musste ich mich auf dem Weg zu meinem Termin in Tiergarten machen. Das Hotel "Unter den Linden", in dem ich kurz nach der Wende während eines dreitägigen Seminars wohnte, ist inzwischen auch abgerissen. Ohne auf den S-Bahn-Plan schauen zu müssen (lange genug hat es gedauert, bis es soweit war), fand ich den richtigen Bahnsteig für Züge in Richtung Tiergarten. Die Fahrt führt durch den Hauptbahnhof (ehemals: Lehrter Bahnhof). Ende Mai ist offizielle Eröffnung des dann wichtigsten Bahnhofs der Hauptstadt. Der Bahnhof Zoo wird sich dann hauptsächlich mit Regionalzügen und S-Bahnen begnügen müssen. Beeindruckend, sehr beeindruckend, wie mit viel Glas und Metall ein absolut moderner Bahnhof errichtet wurde. Die Anzeigetafeln für Abfahrt und Ankunft sind einsatzbereit, noch sind die Anzeigen aber schwarz.

Ein netter Abend im Dorint Hotel am Tiergarten. Lerne eine Frau kennen, die ebenfalls in Halle aufgewachsenen ist. Für den Rückweg nach Hause am späten Abend findet sich ein netter Chauffeur, der mich an den dünnen Damen in weißen Korsetts am Straßenrand vorbei lotst. Auch das ist Berlin.

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Manchmal könnte ich dem Leben die Füße küssen.
Zum Beispiel dafür, dass es mich nach Berlin geholt hat.

Freitag, Mai 05, 2006

Ich bin sonst so gar nicht der Frischluft-Fanatiker

...aber nach diesem langen Winter fällt es mir schwer, brav vor meinem PC zu sitzen und zu arbeiten, während draußen die Sonne strahlt und die Vögel kitschig zwitschernd nach mir rufen. Mir fallen immer wieder Ausreden ein, um mich selbst vor allem zu drücken, was derzeit recht dringend erledigt werden muss. Heute muss die vergangene Nacht als Ausrede herhalten. Sie war nicht wirklich erholsam, weil mein Sohn Alpträume hatte und unbedingt bei mir schlafen wollte. Er träumte von Monstern in einer Höhle, die seinen Kindergartenfreund Maximilian festhielten. Er hat geweint, als er aufwachte. Ich mache mir nun Vorwürfe, weil ich in seiner Gegenwart ab und zu "Diablo2" am PC spiele, wo Monster - unter anderem auch in Höhlen - bekämpft werden müssen. Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass er das großartig mitbekommen hat, aber eine andere Erklärung für seinen Traum habe ich nicht. Also werde ich in Zukunft, wenn er wach ist und in meiner Nähe spielt, lieber die Sims auf den Bildschirm befördern.

Es ist wirklich zum Haareraufen: Selbst Buchungsanfragen von Kunden gehen mir schwerer von der Hand als sonst, weil ich mit den Gedanken nicht bei der Sache bin und lieber schon den Nachmittag mit meinem Sohn im Freien verplane. Dummerweise wartet das Finanzamt auch noch auf meinen Jahresabschluss, die Umsatzsteuererklärung und meine private Einkommenssteuererklärung. Die ersten beiden Sachen sind im Prinzip fertig, ich muss nur alles ausdrucken. Doch selbst das ist mir im Moment zu anstrengend ;-). Dabei habe ich einen neuen, hervorragend funktionierenden Laserdrucker.

Apropos Technik: der DHL-Bote hatte letzte Woche ordentlich für mich zu tun. Nicht nur der neue Drucker zog bei mir ein, sondern auch - *hüpf* - ein neuer PDA mit Navigationssystem. Schon seit Ewigkeiten träumte ich von einem Navi (so sagt man das ja heutzutage, wenn man nicht altmodisch erscheinen will), aber bisher war immer alles zu teuer. Doch letzte Woche stolperte ich dann über ein Angebot, bei dem ich einfach zuschlagen musste. Wie das so ist, wenn man etwas Neues hat, lasse ich mich also seit einigen Tagen selbst auf Strecken navigieren, die ich in- und auswändig kenne. Wenn "Stefanie" sagt "Sie sind an ihrem Ziel angekommen", schlägt mein Herz gleich noch einmal höher.
Jetzt brauche ich so etwas nicht mehr: